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Georgien 6 Minuten

Könnten wir in Tiflis leben? Unser Fazit nach vier Wochen

Vier Wochen Alltag in Tiflis: Was hat uns begeistert, was weniger – und könnten wir uns vorstellen, länger in Georgiens Hauptstadt zu leben?

Gelbe Hausfassaden mit hellblauen, verzierten Balkonen, einem Schild einer Wechselstube und verschiedenen Eingänge, in einer Straße die Bergab in Tiflis, Georgien. Auf der Straße steht ein Hund, es laufen und sitzen ein paar Menschen und es parken Autos an der Seite. Weiter hinten steht eine Kirche mit einem spitzen Dach und im Hintergrund sind Berge und ein Sonnenuntergang.

Foto: Johanna E.

Vier Wochen haben wir in Tiflis gelebt. Lang genug, um die Stadt nicht nur als Tourist kennenzulernen, sondern auch ein Gefühl für den Alltag zu bekommen.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Könnte Tiflis unser neuer Lieblingsort werden?

Nach unserem Aufenthalt können wir inzwischen ziemlich klar sagen: Tiflis war für uns spannend, abwechslungsreich und definitiv eine Erfahrung wert – unser neuer Lieblingsort wird die Stadt aber nicht.

Das liegt nicht an einem einzelnen Punkt. Vielmehr ist es das Gesamtbild aus vielen kleinen Eindrücken, die wir über die vier Wochen gesammelt haben. Manche Dinge haben uns begeistert, andere weniger. Trotzdem hat es uns großen Spaß gemacht, die Stadt und ihre Umgebung zu entdecken, und wir würden uns jederzeit wieder dafür entscheiden.

Eine Stadt mit viel Charakter

Tiflis ist ohne Frage eine besondere Stadt mit einem ganz eigenen Charakter. Hier gibt es viel zu entdecken, und viele Gegensätze liegen sichtbar nebeneinander.

Moderne Neubauten treffen auf alte Gebäude mit verzierten Balkonen und Fassaden, die teilweise aussehen, als hätten sie schon sehr viele Geschichten erlebt – oder als könnte eine Renovierung langsam nicht schaden.

Die Stadt lebt von ihrer Mischung aus Alt und Neu, verschiedensten Baustilen und ganz unterschiedlichen Eindrücken. Die historische Altstadt trifft auf die moderne Friedensbrücke, kleine Cafés liegen nur wenige Meter von geschäftigen Straßen entfernt, und dazwischen finden sich Schwefelbäder, Aussichtspunkte und verwinkelte Gassen.

Auch die vielen Straßenhunde gehören für uns inzwischen fest zu Tiflis. Man begegnet ihnen auf Gehwegen, vor Geschäften, in Parks und teilweise sogar in Restaurants oder Supermärkten.

Gerade diese Gegensätze machen die Stadt interessant. Wir fanden es spannend, all diese Seiten von Tiflis nach und nach zu entdecken. Gleichzeitig haben wir während unseres längeren Aufenthalts gemerkt, dass wir persönlich eine etwas ruhigere und offenere Umgebung bevorzugen.

Auf Dauer war uns in Tiflis zu viel Trubel

Tiflis ist eine Hauptstadt – und das spürt man.

Auf den Straßen ist viel Verkehr unterwegs, die Bürgersteige sind häufig voll und gerade in zentralen Gegenden ist eigentlich immer etwas los. Dazu kommt das Hupen, das in Georgien scheinbar ganz selbstverständlich zum Straßenverkehr gehört.

Am Anfang fanden wir diese Lebendigkeit spannend. Sie gehört schließlich auch zum Erlebnis einer neuen Stadt. Nach einigen Wochen haben wir aber gemerkt, dass wir uns im Alltag nach etwas mehr Ruhe sehnen.

Das ist wahrscheinlich eine der Erkenntnisse, die wir aus Tiflis mitnehmen: Wir mögen Städte und das Leben mittendrin, aber dauerhaft darf es für uns gerne etwas entspannter sein.

Die Luft war nicht immer angenehm

Ein weiterer Punkt war die Luft.

Gerade entlang größerer Straßen und bei starkem Verkehr, empfanden wir sie manchmal als stickig. Natürlich war das weder überall noch jeden Tag gleich. Besonders an heißen Tagen, wenn viel Verkehr und viele Menschen zusammenkamen, wirkte die Stadt auf uns jedoch teilweise sehr dicht.

Bei einem kurzen Städtetrip hätten wir diesem Punkt wahrscheinlich kaum Beachtung geschenkt. Wenn man mehrere Wochen an einem Ort lebt und fast täglich dieselben Wege zurücklegt, fallen solche Dinge jedoch stärker auf.

Gleichzeitig gibt es natürlich auch ruhigere Gegenden, Parks und Aussichtspunkte, an denen man dem Verkehr schnell entkommt und Tiflis wieder ganz anders erlebt.

Zu Fuß entdeckt man viel – angenehm ist es aber nicht überall

Wir erkunden Städte sehr gerne zu Fuß. Auch in Tiflis sind wir viele Strecken gelaufen und haben gerade dadurch einige unserer schönsten Eindrücke gesammelt.

Trotzdem fanden wir die Stadt nicht überall besonders fußgängerfreundlich.

Ein Beispiel ist der Bereich entlang des Flusses Kura. Hier hatten wir uns eigentlich einen schönen Spazierweg direkt am Ufer vorgestellt. Es gibt zwar auf beiden Seiten Fußwege, diese verlaufen aber teilweise zwischen dem Fluss und breiten, stark befahrenen Straßen. Für einen entspannten Spaziergang fanden wir das eher wenig einladend.

Auch an anderen Stellen haben wir festgestellt, dass eine Strecke auf der Karte manchmal deutlich gemütlicher aussieht, als sie sich später tatsächlich anfühlt.

Trotzdem lohnt es sich definitiv, Tiflis zu Fuß zu erkunden. Gerade abseits der großen Straßen entdeckt man immer wieder kleine Innenhöfe, alte Häuser, Cafés und Details, an denen man mit dem Auto oder der Metro wahrscheinlich einfach vorbeifahren würde.

Vier Wochen waren für uns genau richtig

Trotz all dieser Punkte sind wir sehr froh, vier Wochen in Tiflis verbracht zu haben.

Für uns war diese Zeit genau richtig. Wir konnten die Stadt ohne großen Zeitdruck kennenlernen, verschiedene Viertel entdecken, unseren eigenen Alltag entwickeln und gleichzeitig Ausflüge in die Umgebung machen. Wir hatten genug Zeit, nicht nur die klassischen Sehenswürdigkeiten zu sehen, sondern auch ganz normale Tage hier zu verbringen.

Genau das hat unsere Wahrnehmung wahrscheinlich stark verändert.

Bei einem klassischen Städtetrip hätten wir Tiflis vermutlich vor allem als spannende, ungewöhnliche und kontrastreiche Hauptstadt in Erinnerung behalten. Nach vier Wochen kennen wir zusätzlich die kleinen Seiten des Alltags – den Supermarkt um die Ecke, unsere Wege durch das Viertel, die Metro, Cafés, Straßen, die wir immer wieder entlanggelaufen sind, und Dinge, die uns erst nach einiger Zeit aufgefallen sind.

Dadurch nehmen wir ein viel vollständigeres Bild der Stadt mit – und genau das war schließlich auch unser Ziel.

Der Unterschied zu Batumi war sofort spürbar

Mit diesen ersten Eindrücken von Georgien und vielen neuen Erfahrungen im Gepäck sind wir am 12. September 2026 nach Batumi weitergereist.

Als wir dort ankamen, hatten wir beide sofort das Gefühl, etwas mehr durchzuatmen.

Plötzlich war da das Schwarze Meer, mehr Weite, ein angenehmes frisches Lüftchen und eine ganz andere Atmosphäre. Genau diese Offenheit hatten wir in Tiflis ein wenig vermisst.

Natürlich ist auch Batumi keine kleine, verschlafene Küstenstadt. Auch hier gibt es Verkehr, Hochhäuser, Baustellen und lebhafte Straßen. Trotzdem fühlte sich der Wechsel für uns direkt etwas entspannter an.

Vielleicht brauchten wir genau diesen Kontrast, um zu verstehen, was uns in Tiflis gefehlt hat – und gleichzeitig, was wir an der Stadt trotzdem sehr geschätzt haben.

Unser Fazit zu Tiflis

Tiflis war für uns definitiv ein spannender erster längerer Stopp unserer Reise. Die Stadt ist voller Gegensätze, hat einen ganz eigenen Charakter und es gibt unglaublich viel zu entdecken.

Wir haben viel gesehen, viel gelernt und nehmen zahlreiche Eindrücke und Erinnerungen mit. Gerade die vier Wochen vor Ort haben uns ermöglicht, Tiflis nicht nur als Reiseziel, sondern auch ein Stück weit als möglichen Lebensort kennenzulernen.

Dabei haben wir gleichzeitig gemerkt, dass wir langfristig etwas mehr Ruhe, Weite und weniger Großstadttrubel bevorzugen.

Unser neuer Lieblingsort ist Tiflis deshalb zwar nicht geworden – bereut haben wir unseren Aufenthalt aber keine Sekunde.

Und vielleicht wartet unser neuer Lieblingsort ja schon in Batumi auf uns?

Ich nehme Dich weiter mit auf unsere Reise und werde natürlich auch von unseren Eindrücken und Erfahrungen dort berichten.

Mehr über unseren Monat in Tiflis:

Kosten · Wohnen · Arbeiten · Sehenswürdigkeiten & Metro · Ausflug nach Kachetien

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