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Deutschland 8 Minuten

Internationale Krankenversicherung oder Reiseversicherung? Was wir für eine Reise ohne Enddatum gebraucht haben

Eine normale Reiseversicherung deckt sechs bis acht Wochen ab. Unsere Reise hat kein Enddatum. Wie wir verglichen haben und worauf es dabei wirklich ankam.

Ein roter und ein weißer Ballon, fertig zum Start auf einer grünen Wiese am Ufer von der Elbe, in Dresden. Daneben ist ein Orangener Bus und ein schwarzer Bus mit weißem Anhänger.

Foto: Johanna E.

Wie im Beitrag über die Einreise nach Georgien bereits angekündigt, möchte ich hier mein Versprechen einlösen und über das Thema Auslanskrankenversicherung berichten. Dieses Thema hat uns vor Antritt der Reise einige Stunden, fast Tage Recherche gekostet, mit denen wir vorher nicht gerechnet haben.

Ganz am Anfang kannten wir nur zwei Krankenversicherungsarten: die normale gesetzliche, bzw. private Krankenversicherung über Krankenkassen in Deutschland und die Auslandsreisekrankenversicherung. Wir hatten angenommen, dass eine gängige Auslandsreisekrankenversicherung reichen würde, wenn man sie eben für einen längeren Zeitraum, statt nur für einen Urlaub abschließt. Dies stellte sich aber ziemlich bald als Irrtum raus, als wir angefangen haben uns damit zu beschäftigen. Beide Versicherungsarten hätten uns nicht gereicht, und zwar aus Gründen, die mit Georgien gar nichts zu tun haben.

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt im Ausland nicht

Das steht so im Gesetz, und es ist deutlicher formuliert, als man erwartet. Nach § 16 Absatz 1 des Fünften Sozialgesetzbuchs ruht der Anspruch auf Leistungen, solange Versicherte sich im Ausland aufhalten, „und zwar auch dann, wenn sie dort während eines vorübergehenden Aufenthalts erkranken“.

Es gibt Ausnahmen, nur greift hier keine davon:

  • In der EU, in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz besteht bei vorübergehenden Aufenthalten Anspruch auf medizinisch notwendige Leistungen. Georgien gehört zu keiner dieser Gruppen.
  • Mit rund zwanzig weiteren Staaten hat Deutschland zweiseitige Sozialversicherungsabkommen, von denen nur ein Teil die Krankenversicherung umfasst. Georgien steht auf keiner dieser Listen.
  • Gesetzliche Kassen können Kosten unverzüglich erforderlicher Behandlungen bei privaten Reisen außerhalb der EU übernehmen, laut Bundesgesundheitsministerium höchstens sechs Wochen im Kalenderjahr. Das ist eine Kann-Regelung. Auf eine solche plant man keine Reise, die länger dauert.

Wer also aus Deutschland fliegt, steht im Krankheitsfall zunächst alleine da. Das ist im Urlaub genauso, es fällt dort meistens nur nicht auf, weil die Auslandsreisekrankenversicherung einspringt, wenn man sie vorher abgeschlossen hat.

Eine Auslandsreisekrankenversicherung ist für einen typischen Urlaub gebaut

Hier lag unser eigentlicher Denkfehler. Denn eine typische Auslandsreisekrankenversicherung gilt je Reise und nur für eine vertraglich festgelegte Höchstdauer. Üblich ist hier eine Deckungsdauer von sechs bis acht Wochen, einzelne Tarife gehen bis zehn.

Der Jahresvertrag ändert daran nichts. Er deckt beliebig viele Reisen im Jahr ab, jede einzelne aber nur bis zu dieser Höchstdauer. Wer am Stück länger unterwegs ist, fällt irgendwann mitten in der Reise aus dem Schutz, ohne dass sich etwas ändert oder jemand Bescheid sagt.

Gerade für unser Vorhaben, nämlich eine längere Reise ohne Enddatum und ohne fest geplante Aufenthaltsdauer, geschweige denn Länderroute, wäre das nicht der passende Schutz für uns geworden. Es musste also noch was anderes geben:

Die inernationale Krankenversicherung

Bei unserer Recherche nach einer passenderen Lösung, stießen wir auf das Modell einer Internationalen Krankenversicherung. Diese haben wir am Ende für unsere Situation ausgewählt. Im Unterschied zur Auslandsreisekrankenversicherung bietet eine internationale Krankenversicherung langfristigen Schutz für einen dauerhaften Auslandsaufenthalt, auch wenn man die Länder in dieser Zeit wechselt. Eine weitere Besonderheit ist, dass diese teilweise sogar ohne festen Wohnsitz abschließbar sind. Aber Achtung, man ist nicht automatisch in jedem Land auf unbestimmte Zeit vollumfänglich versichert. Hier gibt es weitere Punkte und Unterschiede je Versicherungsanbieter, die man sich im Vorhinein unbedingt überlegen, anschauen und vergleichen sollte. Dies ist am Ende meiner Erfahrung nach der aufwendigste Teil, für den es sich meiner Meinung nach aber lohnt ein bisschen mehr Zeit einzuplanen, wenn man so ein Vorhaben hat wie wir.

Wie wir verglichen haben

Wir haben gestartet mit einem 30 minütigen kostenlosen online Gespräch bei einem unabhängigen Makler für internationale Versicherungen. Vor dem Gespräch hatten wir uns auf deren Internetseite schon den Vergleichsrechner angeschaut. In dem Gespräch haben wir ein paar Fragen gestellt, die meisten wurden aber uns gestellt. So hatten wir dann am Ende des Gesprächs einen Auszug aus dem Versicherungsrechner des Maklers, wo uns drei Versicherungen aus dem Portfolio gegenüber gestellt und per E-Mail zugeschickt wurden. Da uns das ganze aber nicht gereicht hat und wir gemerkt haben, dass jeder Anbieter andere Leistungen und Länder abdeckt, haben wir uns nach dem Angebot dazu entschieden, die Leistungen noch mal detaillierter und mit etwas mehr Zeit selbst mithilfe des Vergleichsrechners zu vergleichen.

Drei wesentliche Stellschrauben entscheiden über den Preis im ersten Schritt:

  • Der Selbstbehalt: Wie viel man pro Jahr selbst trägt, bevor die Versicherung zahlt.
  • Der Leistungsumfang: Was überhaupt versichert ist, dazu unten mehr.
  • Die Länderzonen: Versicherer teilen die Welt in Zonen ein und berechnen den Beitrag danach, wo man sich aufhält. Wie diese Einteilung aussieht, legt jeder Anbieter selbst fest, in der Anzahl der Zonen wie in der Zuordnung der Länder. Bei unserem Tarif liegt Georgien in Zone 2 von 4. Bei einem anderen Anbieter kann dasselbe Land in einer ganz anderen Zone stehen.

Anschließend haben wir bei den Versicherungen, die nach dieser Rechnung übrig blieben, Angebote angefragt. Da man bei der Angebotsanfrage bereits einen Bogen zum Gesundheitszustand ausfüllen muss, der auch bei jeder Versicherung unterschiedliche Fragen beinhaltet, kann es gut sein, dass sich hier der Preis auch noch mal erheblich unterscheidet zu dem ersten Preis im Vergleichsrechner. Schon alleine aus diesem Grund, kann es sich lohnen im zweiten Schritt konkrete Angebote zu vergleichen, als nur über den Vergleichsrechner, bevor man die Versicherung abschließt.

Worauf wir geachtet haben, und was leicht untergeht

Das ist der Teil, den wir vorher nirgends zusammenhängend gefunden haben.

  • Wartezeiten: Manche Leistungen greifen erst nach mehreren Monaten. Wer zum Beispiel eine Familiengründung plant, muss das früh berücksichtigen, sonst kann es passieren, dass der Schutz genau dann nicht besteht, wenn er gebraucht wird. Das ist kein Detail im Kleingedruckten, sondern für manche möglicherweise ein Grund, den Abschluss zeitlich vorzuziehen.
  • Schwangerschaft, Zahnleistungen, sowie manch andere Leistungen sind je nach Tarif enthalten oder nicht: Hier gibt es keinen Standard. Bei einem Basistarif kann Schwangerschaft ausgeschlossen sein, während Zahnbehandlung und Zahnersatz drin sind, die zahnmedizinische Vorsorge aber wieder nicht. Zwei Angebote mit fast gleichem Preis können sich an dieser Stelle vollständig unterscheiden. Ein reiner Preisvergleich ohne einen Leistungsvergleich ist deshalb nicht aussagekräftig.
  • Die Zone gilt für das Aufenthaltsland, nicht für die Reise: Das ist die Falle, die uns fast entgangen wäre. Wer in einer niedrigen Zone versichert ist und sich in einem Land einer höheren Zone aufhält, hat dort nur eingeschränkt Schutz. Bei unserem Tarif sind es im Notfall höchstens sechs Wochen pro Versicherungsjahr. Bei einer Reise durch mehrere Zonen ist es deshalb ratsam, von vornherein die höchste geplante Zone zu wählen, auch wenn sie teurer ist. Der Rechner fragt nur nach dem Zielland, nicht nach dem Rest der Route.
  • Besonderheit USA: die USA ist aufgrund der hohen Gesundheitskosten meistens in der teuersten Zone, oder manchmal gar nicht versicherbar. Eine Internationale Krankenversicherung mit USA kann schnell das zwei- bis dreifache Kosten.
  • Und weil jeder Anbieter seine Zonen selbst schneidet, lassen sich Angebote nicht über die Zonennummer vergleichen: Zwei Tarife mit „Zone 2“ können völlig verschiedene Länder meinen. Vergleichbar wird es erst, wenn man die eigene geplante Route gegen die jeweilige Länderliste der Versicherung hält. Sollte man später merken, dass man doch eine andere Zone braucht, kann man den Tarif aber auch im Nachhinein oft umstufen lassen.
  • Deutschland: Unsere Police deckt Aufenthalte in Deutschland mit ab. Das ist nicht selbstverständlich und für jeden wichtig, der zwischendurch zu Besuch kommt. Bei manchen Tarifen fallen ganze Länder heraus, in unserem sind zum Beispiel die USA gar nicht versicherbar.
  • Die Zahlweise: Eine jährliche Gesamtzahlung ist oft günstiger als die monatliche Zahlweise. Das ist der einfachste Hebel von allen, nochmal am Preis zu sparten und kostet nur die Bereitschaft, einmal im Jahr einen größeren Betrag zu überweisen.
  • Was für den einen passt, passt nicht automatisch für den anderen: Wir sind am Ende bei zwei verschiedenen Anbietern gelandet, weil wir unterschiedliche Leistungen wollten und in unterschiedliche Alterskategorien fallen.

Als Paar liegt es oft nahe, dass einer abschließt und der andere mitversichert wird. Das ist bequemer und in der Verwaltung einfacher. Allerdings richtet sich der Vertrag dann nach den Anforderungen von einem von beiden. Wer andere Leistungen braucht oder in eine andere Altersgruppe fällt, zahlt entweder für etwas, das er nicht braucht, oder bekommt nicht, was er braucht. Wir haben deshalb jeder für sich verglichen, und bei uns waren es am Ende zwei verschiedene Verträge. Das muss nicht so ausgehen, aber die Rechnung lohnt sich.

Was wir jetzt haben

Eine internationale Krankenversicherung, für die wir jeder einen niedrigen dreistelligen Betrag im Monat zahlen. Eine genauere Zahl hilft niemandem, weil sie an Alter, Gesundheitszustand, Leistungsumfang, Zahlweise, Selbstbehalt und Länderzonen hängt und bei jedem individuell ausfällt.

Georgien verlangt etwas anderes als das, was man braucht

Zwei Dinge, die leicht durcheinandergeraten, weil beide „Versicherung“ heißen:

Georgien verlangt seit dem 1. Januar 2026 für die Einreise eine Kranken- und Unfallversicherung über mindestens 30.000 Lari, das sind rund 10.000 Euro. Details dazu stehen im Einreise-Beitrag nach Georgien.

Diese Summe erfüllt die Einreisebedingung. Als tatsächlicher Schutz für den Fall der Fälle ist sie aber knapp. Ein Rücktransport im Notfall nach Deutschland liegt regelmäßig darüber. Die Pflichtsumme eines Landes ist eine Untergrenze für die Einreise und keine Empfehlung dafür, wie viel Schutz sinnvoll ist.

Was wir rückblickend sagen würden

Der Vergleich hat sich gelohnt, und das Wichtigste daran war nicht der Preis, sondern zu verstehen, worauf man überhaupt schauen muss. Selbstbehalt, Länderzonen, Leistungsumfang und Wartezeiten sind vier Begriffe, die vorher keine Rolle in unserem Leben gespielt haben, und an ihnen hängt am Ende vieles.

Wer eine Reise ohne festes Enddatum plant, sollte diesen Punkt nicht ans Ende der Liste setzen. Er braucht Zeit, und auch die Wartezeiten laufen erst ab Abschluss.

Stand und Quelle

Stand: 8. September 2026. Rechtliche Angaben geprüft im Fünften Sozialgesetzbuch, bei der Verbraucherzentrale und beim Bundesministerium für Gesundheit.

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